Die Klassifizierung mechanischer Rechenmaschinen, Teil 3: Schaltwerksprinzipien
Peter Haertel
Die Klassifizierung
mechanischer Rechenmaschinen
The classification of
mechanical calculating machines
Teil 3 / Part 3:
Schaltwerksprinzipien,
Control mechanism principles
Lilienthal,
September 2022
Dritte überabeitete Ausgabe
- Version 2022 im
Rechnerlexikon
Die große Enzyklopädie des mechanischen Rechnens,
Vorveröffentlichungen 1996 und 2011 durch
IFHB
Internationales Forum Historische Bürowelt e.V.
Third revised edition
- Version 2022 in
Rechnerlexikon
Die große Enzyklopädie des mechanischen Rechnens
Previously published in 1996 and 2011 by
IFHB
Internationales Forum Historische Bürowelt e.V.
Titelseite / Frontpage:
NFI Modell 3A,
SN 38263
Copyright © Peter Haertel 2022
2
Teil 3 / Part 3
SCHALTWERKSPRINZIPIEN
control mechanism principles
Inhaltsverzeichnis/
Seite
page
3
Contents
Einführung /
5
introduction
1
6
Sprossenräder /
pin wheels
1.1
Geteiltes Sprossenrad /
6
splitted pin wheel
1.2
Axial-Sprossenrad /
7
axial pin wheel
1.3
Klappsprossenrad /
9
folding pin wheel
2
9
Staffelwalzen /
stepped drums
2.1
Geteilte Staffelwalze /
10
splitted stepped drum
2.1.1
Sonderbauformen der geteilten Staffelwalze
11
special designs of splitted stepped drums
3
12
Schaltklinke /
ratchet
4
Proportional- oder Verhältnishebel /
13
proportional lever
5
13
Proportionalräder /
proportional gear actuators
6
Multiplikations- oder Einmaleinskörper /
15
direct multiplier
6.1
Anordnung der Multiplikationskörper in
Blockform /
15
common arrangement of the multipliers in block form
6.2
getrennte Anordnung der Einer- und ZehnerMultiplikationskörper /
17
separate arrangement of the multipliers
7
19
Schaltschwinge /
rocker arm
3
8
19
Zahnantriebe /
toothed drives
8.1
Zahnstange /
20
toothed-bar
8.2
Zahnsegment /
20
toothed-segment
8.3
Zahnscheibe /
21
toothed-wheel
8.4
Zahnkette /
22
chain
9
23
Stellsegment /
adapting segment
10
24
Pendelrad /
pendulum wheel
11
Mehrfach-Zählrolle mit Zehner-Übertragskurven/
25
multiple counting role with ten transfer curves
12
26
Zählscheibe /
counting disk
13
28
Gewindespindel /
threaded spindle
14
Oszillierende Betätigungswalze /
29
oscillating actuator
Vers.: Teil 3_09
4
Einführung:
Der dritte Teil behandelt die Klassifizierung mechanischer
Rechenmaschinen nach ihren Schaltwerksprinzipien wie z. B.
Staffelwalzen, Sprossenräder, etc.
Wegen der Vielzahl der Konstruktionen war es bei der erstellten
Systematik nicht möglich, eine vollständige Erfassung der
bekannten Grund- und Mischformen zu erreichen. Ein solches
Schema wird auch sehr leicht unübersichtlich und ist wenig
praxisgerecht. Deshalb beschränkt sich die Systematik im
Wesentlichen auf die „klassischen“ und aus der Literatur her
allgemein bekannten Prinzipien.
Auf der anderen Seite muss hierbei billigend in Kauf genommen
werden, dass weniger bekannte Ausführungen durch solch ein
grobes Einordnungsraster fallen.
Introduction:
The third part deals with the classification of mechanical
calculators according to control mechanism principles such as
stepped drums, pin wheels, etc.
Because of a vast number of designs accomplishing a complete
coverage of the known basic and hybrid forms has not been
attempted in the present compilation. Such a scheme easily
tends to become confusing and is hardly practical. That is why
this systematization is primarily confined to “classical” and
generally
well-known
principles
as
they
are
found
in
literature.
On the downside, it has to be accepted that less known design
versions drop through a classification grid as rough as this.
5
Schaltwerksprinzipien
control mechanism principles
1. Sprossenräder / pin wheels:
Bei einem auf einer Welle (1)
festsitzenden Sprossenrad (2)
werden durch Drehen einer
Einstellscheibe (3) radial 1
bis 9 Zähne, die sogenannten
Sprossen (4), herausgeschoben.
Bei einem Umlauf der Welle (1)
wird ein zugeordnetes Zählrad
(5) entsprechend der Anzahl
herausragender Sprossen
gedreht1. Die Grundstellung der
Einstellscheibe entspricht dem
Übertragungswert 0.
Anmerkungen:
1. Beim Rechnen mit umlaufenden oder
feststehenden Einstellscheiben (3).
Einzelheiten hierzu siehe
Klassifizierung Teil 2 /
Abs. 2.3.1 und 2.3.2.
Beispiel:
Triumphator Modell CN, S/N 155212,
mit umlaufenden Einstellscheiben
1.1. Geteiltes Sprossenrad /
splitted pin wheel:
2
1
Beispiel:
Facit-Funktionsmuster mit zwei am
Außenmantel beschrifteten Einstellscheiben: 9876501234.
1
2. Technischer Höhepunkt in der Entwicklung der Sprossenrad-Maschinen
waren die Facit-Modelle CM 2-16 und
1004 inkl. Varianten nach den
Patenten von Erik Konrad Grip. Diese
Maschinen haben eine Zehnertastatur
mit genormter Anordnung der Zifferntasten.
Die von den Tastenhebeln (1)
einer Zehnertastatur gesteuerten Einstellscheiben (2) sind
jeweils mit einem Radkörper (3)
gekoppelt und arbeiten mit unterschiedlichen Drehrichtungen.
Damit werden ihre max. Schwenkwinkel reduziert und eine Tasteneingabe ermöglicht.
Die Eingabe der Zahlenwerte 1
bis 4 erfolgt bei linken Teildrehungen der Einstellscheiben
(2), wobei an den Radkörpern
(3) eine dem Eingabewert entsprechende Anzahl Sprossen (4)
radial herausgeschoben wird.
Die Eingabe des Zahlenwertes 5
erfolgt mit Beginn der Rechts-
vgl.: Lind, Wilhelm: Büromaschinen, Teil 1, Füssen 1954, S. 16-29
6
drehungen der Einstellscheiben
(2), wobei an den Radkörpern
(3) ein fünfzahniges Segment
(5) angehoben wird.
Bei den Eingabewerten 6 bis 9
sind die Schwenkwinkel der
rechtsdrehenden Einstellscheiben (2) entsprechend größer,
sodass zu den 5 Zähnen der Segmente (5) jeweils max. 4 ergänzende Sprossen (4) gesetzt
werden.
Die Grundstellung aller Zahnelemente (4, 5) entspricht dem
Übertragungswert 02.
Anmerkung:
Beispiel: Facit NEA, S/N 406540
1.2. Axial-Sprossenrad /
axial pin wheel:
Erfinder ist der Schwede Karl Victor
Rudin (1882-1939). Mit seiner
Erfindung wurde das Einstellwerk –
bisher eine Schwachstelle aller
Sprosenradmaschinen – deutlich
verbessert.
Jeder Tastenbank (1) der Volltastatur sind zwei Steuerscheiben (2, 3) zugeordnet, die
nebeneinander fest auf einer
Antriebswelle (4) liegen. Die
Anzahl der Scheibenpaare entspricht der Eingabekapazität
der Maschine.
Für die Eingabe der einstelligen Dekadenwerte 1 bis 9 werden
in den Steuerscheiben (2, 3)
insgesamt neun Sprossen gelagert, von denen fünf von der
linken und vier von der rechten
Seite her axial etwa 2 mm weit
NUMERIA der Fa. Lagomarsino S.p.A.,
in den Zwischenbereich der
Mailand, Italien.
Scheiben (2, 3) ausgelenkt
Schweizer Patent 209384 von 1940, mit werden.
Prioritätshinweis zur italienischen
Erstanmeldung vom 25. März 1938.
Patentinhaber und Ersthersteller ab
1940 war die SOCIETA ITALIANA
COMMERCO MACCINE PER UFFICIO (SICMU)
in Mailand.
2
Die Auslenkungen erfolgen durch
zwei Auslenkhebel (8, 9), die an
jeder Tastenbank (1) vorhanden
sind. Beim Drücken einer der Zifferntasten 1 bis 9 werden beide
vom Tastenschaft wertanhängig so
geschwenkt, dass ihre Druckkörper (14) in definierten radialen
Der Büromaschinenmechaniker, Heft 7, Hamburg, 1960, S. 11
7
Abständen zum Drehpunkt der
Steuerscheiben (6, 7) liegen.
Für den linke Auslenkhebel (8)
gibt es drei, den rechten (9)
zwei feste Sprossen-Auslenkpunkte. In Abhängigkeit von der Werteingabe können bei einem Umlauf
der linken Steuerscheibe (2)
jeweils eine, vier oder fünf
Sprossen von der linken sowie
Seitenansicht der linken und rechten zwei oder vier von der rechten
Steuerscheibe
Steuerscheibe (3) mit ihrem
(Außenflächen in Sichtebene geklappt) Übergabebereich (rot markiert) in
den Eingriffsbereich des Zwischenrades (13) zum Rechenwerk
gelenkt werden (s. Tabelle 1).
Beispiel: Sprossenveschiebung in
linker Steuerscheibe
gesetzte
gesetzte
WertSprossen
Sprossen
Eingabe
rechts
links
1
1
2
2
3
1
2
4
4
5
5
6
4
2
7
5
2
8
4
4
9
5
4
Tab. 1: Anzahl gesetzter Sprossen
-
Die axialen Auslenkungen linker
und rechter Sprossen (6, 7) erfolgen an radial ausgerichteten
Gegennocken (11 / grün markiert),
die - abhängig von den zugeordneten Eingabewerten- in unterschiedlichen Höhen zum Drehpunkt
der Steuerscheiben (2, 3) liegen.
Bei Links- oder Rechtslauf der
Steuerscheiben (6, 7) werden sie
nur von solchen Druckkörpern (14)
in den Übergabebereich gelenkt,
die auch in den vom Eingabewert
bestimmten radialen Positionen
liegen.
Die Auslenkung der Sprossen (6,
7) gegen die Kraft einer Druckfeder (12) erfolgt unmittelbar
vor dem Überlauf des Zwischenrades (13). Darauf gleiten sie
wieder in ihre Grundstellungen
zurück. Bei Multiplikationen /
Divisionen wiederholt sich dieser
Vorgang mit jedem Umlauf des
Scheibenpaares.
Zusätzlich zu den neun Eingabesprossen trägt jedes Scheibenpaare zwei Sprossen für die
Zehnerübertragung.
Anmerkung:
Die mit Axial-Sprossenrädern arbeitenden Numeria-Maschinen wurden von
einigen Fachautoren fälschlich der
Maschinengruppe mit geteilten
Beispiel: Lagomarsino Numeria 7101 H,
Staffelwalzen (s. Abs. 2.1) zugeordS/N 039756
net3.
Reese, Martin, Haertel, Peter: „Numeria - nur scheinbar eine MonroeTochter“ in: INTERNATIONALES FORUM HISTORISCHE BÜROWELT (Hg.): Historische
Bürowelt, Nr. 77 (2007), S. 3ff
3
8
1.3. Klappsprossenrad /
folding pin wheel
Beispiel: Alpina URM
Beim Drehen des gerändelten
Einstellringes (1) wird auch
die Kurvenscheibe (2) gedreht.
Dies bewirkt ein seitliches
Umklappen der Stifte (3) in
Arbeitsstellung. Beim Antrieb
der Hauptachse werden die
Einstellungen verriegelt, das
Einstellwerk gedreht und die
waagerecht (axial) liegenden
Sprossen treten in die Bahn
von Zwischenrädern, die den
eingestellten Betrag in das
Resultatwerk übertragen.
Anmerkungen:
1. Erstmals eingesetzt von Giovanni
Poleni (1685-1761) in seiner 1709
beschriebenen Machinæ Aritmeticæ mit
Gewichtsantrieb.
2. Klappsprossenrad auch ausgeführt
bei Kuhrt Modell AB von 1923.
3. Das Schaltwerksprinzip wird auch
als Schwenksprossenrad bezeichnet.
2. Staffelwalzen /
stepped drums:
Bestehen aus einem Zylinder (1)
(„Walze“) mit neun unterschiedlich langen („gestaffelten“)
Zähnen (2). Ein zugeordnetes
Übertragungsrad (3) wird durch
Eingabetasten oder -schieber
axial so gestellt, dass es von
1 bis 9 Zähnen getroffen wird
und der entsprechende Wert in
das Resultatwerk (RW) übertragen werden kann4. Die
Grundstellung des Übertragungsrades (3) entspricht dem
Rechenwert 0.
Anmerkungen:
1. Je nach Konstruktion arbeiten die
Maschinen der
Version 1 : mit einer Staffelwalze
pro Dekade des Eingabe<
und Resultatwerkes oder:
Version 1: Record Universal
von 1915, S/N 852
Version 2: mit einer Staffelwalze für
zwei Dekaden des Eingabeund Resultatwerkes.
4
vgl.: Martin, Ernst: Die Rechenmaschinen und ihre Entwicklungsgeschichte,
Band 1, S. 6-14
9
Version 2:
mit einer Staffelwalze für 2 Dekaden
des Einstell- und Rechenwerkes:
Pos. 1: Staffelwalze
Pos. 2: Zehnerschaltzahn
Pos. 3: Übertragungsrad zum RW
Beispiel Version 2:
Rheinmetall, Reichspatent 319630 vom
06. April 1919, Erfinder: Richard
Berk.
Die Unterschiede der Version 2 zu 1
sind an den Maschinen äußerlich nicht
erkennbar.
2. Herstellung der Staffelwalzen
allgemein
- als Frästeil
- als Gussteil (Bronze, Stahl,
Aluminium)
- durch Zusammenfügen gestanzter
Einzelbleche
- durch Zusammenfügen von Stanzund Drehteilen
3. Staffelwalzen-Maschinen wurden nur
mit Volltastaturen oder Schiebereinstellungen gefertigt.
Beispiel (Schema):
Zehnstelliges Einstellwerk mit fünf
Staffelwalzen zur Übertragung max.
10-stelliger Werte in das Resultatwerkes.
2.1 Geteilte Staffelwalze /
splitted stepped drum:
Schema 1: Brunsviga-Rechenmaschine
Modell 10
5Lind,
4. Hersteller von Staffelwalzenmaschinen waren u. a.:
- Archimedes
- Badenia
- Diehl
- Friden
- Madas
- Rheinmetall
- Rheinmetall-Borsig
- Record
- Spitz
Jede Rechenstelle besteht aus
zwei Segmentteilen (1)(2), die
unterschiedlich verzahnt sind:
a) eine Zahnreihe (1), die 1
bis 4 Zähne trägt,
b) eine Zahnreihe (2) mit 5
gleich großen Zähnen.
Durch entsprechende axiale
Verschiebung der nebeneinanderliegenden Segmentteile in den
Eingriffsbereich (3) eines
Übertragungsrades (4) werden
bei jedem Umlauf der Rechenmechanik 1 bis 9 Zähne wirksam5.
Die Grundstellung aller Zahnelemente entspricht dem Übertragungswert 0.
Wilhelm: a. a. O., S. 62-67
10
Die Verschiebung der Segmentteile (1)(2) in ihre Arbeitsstellung erfolgt durch zwei
Kippschienen (5), die von den
Einstellhebeln oder einer
Tastatur ausgelenkt werden. Der
Eingabewert bestimmt die Richtung der axialen Verschiebung:
Schema 2:
Beispiel Übertragung des Wertes 1
Eingabewert
Verschieberichtung
1, 2, 3, 4
5
6, 7, 8, 9
Teil 1 <
Teil 2 >
Teil 1 <
Teil 2 >
Anmerkung:
Das Schaltwerksprinzip wurde u. a.
verwendet von:
- Brunsviga
- Komet
- Madas
- Monroe
- Nisa
- Shanghai Calculator
Beispiel: Brunsviga 10
S/N 138569
2.1.1 Sonderbauformen der
geteilten Staffelwalze
special designs of splitted
stepped drums
Ähnlich den ungeteilten
Staffelwalzen wurden auch bei
den geteilten Staffelwalzen
unterschiedliche Herstellverfahren gewählt; sie hatten
Einfluss auf die Ausführungen
der Eingabewerke (EW) und
Resultatwerke (RW).
Ein Beispiel liefert das
Monroe-Modell G mit geteilten
Staffelwalzen aus Stanz- und
Drehteilen.
Anmerkungen:
1. Erfinder dieses Schaltwerksprinzips war der US-Amerikaner Frank
Stephen Baldwin (1838-1925)
Beispiel: Monroe G, gebaut ab 1919
2. Patente: US1080245 v. 15.06.1912
GB27231 v. 26.11.1912
11
3. Schaltklinke / ratchet:
Beispiel einer Hamann-Rechenmaschine
Die Werteübertragung in das
Resultatwerk (4) erfolgt durch
eine umlaufende Mitnehmerklinke
(1) („Schaltklinke“), die
während eines Rechenganges in
die Innenverzahnung eines
Arbeitsrades (2) einfällt und
dieses um 1 bis 9 Zähne
weiterdreht. Mit der
Außenverzahnung des
Arbeitsrades (2) wird der Wert
über Zwischenräder (3) in das
Resultatwerk (4) übertragen.
In jeder Dekade des Eingabewerkes erfolgt die Einstellung
einer Zahl durch eine feststehende Scheibe (5) – sie hat
einen Ausschnitt (6) für das
Einfallen der Schaltklinke – in
Verbindung mit einem drehbaren
Segment (7), das jeweils mit
einem Einstellhebel (8) verbunden ist.
Scheibe (5) und Segment (7)
liegen zentrisch zur Hauptachse
(9) und bilden in der Nullstellung eine geschlossene
Einstellscheibe.
Bei der Werteeingabe wird Segment (7) mit Einstellhebel (8)
gedreht und es entsteht am
Umfang der Einstellscheibe ein
Ausschnitt, dessen Länge
proportional dem Einstellwert
ist.
In diesen Ausschnitt fällt die
Mitnehmerklinke (1), greift
hierdurch in die
Innenverzahnung des
Arbeitsrades (2) und nimmt eine
entsprechende Zähnezahl mit6.
Beispiel: Hamann E
S/N 73500
6
Anmerkung:
Erfinder des Schaltwerksprinzips ist
Dr. h.c. Christel Hamann (1870-1948).
vgl.: Lenz, K.: Die Rechen- und Buchungsmaschinen, Leipzig und Berlin
1932, S. 61-64
12
4. Proportional- oder
Verhältnishebel /
proportional lever:
Die zehn Zahnstangen eines
Zahnstangensatzes werden bei
einer Schwenkbewegung des
Proportionalhebels P um
Drehpunkt D1 oder D2 so hin und
her bewegt, dass bei größter
Auslenkung die erste nicht, die
zweite um eine Zahnbreite, die
dritte um zwei Zahnbreiten,
usw. verschoben wird.
Verschiebbare Gegenräder
übertragen die Vorwärtsbewegung
auf das Resultatwerk R. Dieses
wird während der
Rückwärtsbewegung abgekuppelt7.
Anmerkungen:
1. Der Proportionalhebel wird bei
Addition / Multiplikation im
Drehpunkt D1, bei Subtraktion /
Division im Drehpunkt D2 gelagert.
2. Erfinder des Schaltwerksprinzips
ist Dr. h.c. Christel Hamann (18701948)
Beispiel:
Mercedes Euklid 29,
SN 101970
5. Proportionalräder /
proportional gear actuators:
Übertragung der Rechenwerte
durch Schwenkradgetriebe, deren
Antriebsräder-Zähnezahlen den
Werten 1 bis 9 proportional
sind.
Pro Dekade sind Antriebsrädersätze vorhanden, die auf die
drei Wellen a, b und c verteilt
vgl.: Brockhaus der Naturwissenschaften und der Technik, Wiesbaden 1958,
S. 457
7
13
Proportionalräder der
Schwenkradgetriebe (Schema)
sind, in Vierer- und Fünfergruppen geordnet sind und
einander gegenüberliegen.
Die drei Wellen werden gemeinsam angetrieben und führen pro
Arbeitsgang 1/12, 1/4 und ½
Umdrehung aus. Damit wird jedes
der neun Antriebsräder um eine
seinem Wert entsprechende
Zähnezahl zwischen 1 und 9
gedreht.
Zu jeder Dekade gehören fünf
separate Schwingplatten d auf
Welle i, von denen jeweils nur
eine den Rechenwert zur Zählrolle des Resultatwerks überträgt; gemeinsam verbunden sind
sie über die Abtriebsräder g.
Die Auswahl der Schwingplatte
erfolgt - von der Tastatur
ausgehend – über ein Einstellgestänge und eine Gruppe von
fünf Nockenscheiben. Hierdurch
wird ein Übertragungsrad e in
Radsatz k auf Welle b oder
Radsatz l auf Welle c eingeschwenkt8.
Schwingplatte mit Übertragungsrad e
Anmerkungen:
1. Ausgeführt bei den MarchantRechenmaschinen. Erfinder ist der
Amerikaner Harold T. Avery.
2. Bei einem Rechenvorgang erfolgt
die gesamte Werteverarbeitung inkl.
Zehnerübertragung in einem
kontinuierlichen, stoßfreien Ablauf.
Trotz hoher Rechengeschwindigkeit ist
die Geräuschentwicklung sehr gering.
3. Zuletzt gefertigt wurde Modell
CMA, Produktionseinstellung 1970.
Beispiel:
Marchant 10 ADX,
S/N 476380
vgl.: Lange, Werner: „Leben und Wirken des Erfinders H. T. Avery“ in:
Bürowirtschaft, Ausg. 11/1985, S. 25f;
vgl.: Lind, Wilhelm: a. a. O., S. 76 bis 80
8
14
6. Multiplikations- oder
Einmaleinskörper /
direct multiplier:
Anmerkung:
Speziell im Patentwesen gebrauchte
Bezeichnung für dieses Schaltwerksprinzip sind
Rechenkörper für das direkte
- nicht additive – Multiplizieren mit zwei einstelligen
Faktoren.
Damit werden zwei aufeinander
folgende Multiplikationen
durchgeführt, das gesuchte
Produkt entsteht durch
Addition der Teilsummen.
- Teilproduktkörper
- Wählplatten
Anmerkung: Frühe Patente von Ramón
Verea (1878), Otto Steiger (1892)
und Léon Bollée (1895).
6.1 Anordnung der
Multiplikationskörper in
Blockform /
Die kompakt angeordneten Multiplikationskörper bilden den so
genannten Einmaleinsblock. Er
besteht aus
- einer einzelnen Einerzungenplatte
- acht Zungenplattengruppen mit
jeweils einer Einer- und
einer Zehnerzungenplatte.
common arrangement of the
multipliers in block form
Damit werden aus dem Multiplikanden und jeweils einer Stelle
des Multiplikators ein- und
zweistellige Teilprodukte
gebildet und in das Resultatwerk (1) übertragen.
Einmaleinsblock der Millionär-Vierspezies-Maschine mit Einer- und
Zehnerplatten für das direkte
Multiplizieren.
Ablauf:
In der Ruhelage stehen die
Zahnstangen (2) 1 bis 9 den
Zehnerplatten (3) gegenüber.
Das Multiplizieren erfolgt in
der Form, dass der Rahmen (4)
mit dem Einmaleinsblock bei
einer vollen Drehung der Kurbel
(5) zweimal vor- und zurückschwingt.
Diesen Bewegungen folgen alle
Zahnstangen.
Einstellhebel für die stellenweise
Eingabe des Multiplikators
Bei dem ersten Vorlauf verschieben sich alle Zahnstangen
(2) um die Längen der Zehnerzungen, bei dem zweiten um die
Längen der Einerzungen9.
1. Hennemann, A: Die technische Entwicklung der Rechenmaschine, Aachen
1954, S. 117 bis 121
9
15
Hierbei sind nur solche Zahnstangen (2) über Zahnräder (6)
mit dem Resultatwerk (1) gekoppelt, die im Zuge der Multiplikatoreingabe durch Verschiebung auf Vierkantachsen (7) in
die Verzahnnung der Zahnstangen
(2) geschoben wurden.
Im Beispiel 826 x 8 multiplizieren die Zahnstangen (2) 8,
2, 6 in Verbindung mit Zungenplattengruppe 8:
Beispiel:
Eingabeschema des Produktes aus 816
x 8 in ein zehnstelliges Resultatwerk.
Beispiel: Zehner- und Einerplatten
für den Teilmultiplikator 8.
Zahnstange 8 überträgt beim
Vorlauf der Zehnerplatte den
Wert 6 in die höchste Stelle
des Resultatwerkes (1). Es
erfolgt eine automatische Verschiebung des Rechenschlittens
nach rechts, sodass bei dem
anschließenden Vorlauf der
Einerplatte der Wert 4 in die
zweitehöchste Stelle des Resultatwerks übertragen wird.
Zeitgleich haben die Zahnstangen 2 und 6 die Ergebnisse aus
2 x 8 und 6 x 8 stellenrichtig
in das Resultatwerk (6) übertragen.
Eintrag der Zehnerzungen (rot)
und Einerzungen (blau) in ein
10-stellliges Resultatwerk (6):
8 x 8 = 6
2 x 8 =
4
1
6 x 8 =
6
4
8
826 x 8 = 6608000000
Beispiel:
Millionär VIII e, Serien-Nr. 2598.
Anmerkung:
Einzelheiten zum Rechenablauf siehe
Rechnerlexikon :„Die Schweizer
Rechenmaschine Millionär – Eine
Beschreibung der Funktionsabläufe
beim Multiplizieren“ (Haertel 2015/7)
2. vgl.: Lind, Wilhelm: a. a. O., S. 80 bis 86
16
6.2 getrennte Anordnung der
Einer- und ZehnerMultiplikationskörper /
separate arrangement of the
multipliers
Beispiel:
Zehner- und Einerplatte für den
Multiplikator 5. In der Patenschrift
DE222166 werden die Multiplikationskörper als „Wählplatten“ bezeichnet.
Bedienfeld:
- (3): Eingabe des Multiplikanden
- (4): stellenweise Eingabe des
Multiplikators
- (5): Funktionstasten
Die Moon-Hopkins-Fakturiermaschine ist eine Konstruktion
der US-amerikanischen Brüder
William Wallace Hopkins (18501916) und Hubert Hopkins
(1858-1930).
Die Maschine multipliziert mit
flachen, aus Blech gestanzten
Multiplikationskörpern für die
Bildung ein- und zweistelliger
Teilprodukte aus dem Multiplikanden und jeweils einer Stelle des Multiplikators.
Für das Multiplizieren sind
insgesamt neunzehn Multiplikationskörper vorhanden:
- zehn Zehnerplatte (1) für
die Teilmultiplikatoren
0, 1 bis 9,
- neun Einerplatten (2) für
die Teilmultiplikatoren
1 bis 9.
Für die Verarbeitung eines
einstelligen Teilmultiplikators ist ein getrenntes Anheben der zugehörigen Zehnerund Einerplatte erforderlich;
d. h. bei einer handgetriebenen Maschine muss der Zughebel
zweimal gezogen werden. Damit
wird zuerst die Zehnerplatte
(1) angehoben, dann folgt die
Einerplatte (2).
Beispiel: 654 x 9
1. Eingabe des Multiplikanden
6-5—4 in die linken Tastatur
(3), Drücken der R-Taste (5 /
Registrierung) und Ziehen des
Handzughebels. Es folgen:
- Speicherung im vorderen
Rechenwerk (12),
- Ausdruck durch Typen (17)
an den Zahnstangen (11),
- Voreinstellung der Hängeschieber (14).
- Vorderes Rechenwerk (12),
in drei Partitionen unterteilt
(Beispiel)
- Hinteres Rechenwerk (13)
- ZÜ I, ZÜ II: Zehnerübertragungen
2. Eingabe des Multiplikators
9 in die rechte Tastatur (4)
und erste Betätigung des Handzughebels; die Zehnerplatte 9
17
(1) wird angehoben.
Im Zuge der Eingabe des Multiplikanden 654 wurden drei zugeordnete Hängeschieber (14)
seitlich so versetzt, dass sie
jetzt mittels Querarmen (15)
von den Stufen 6, 5 und 4 der
hochlaufenden Zehnerplatte (1)
angehoben werden. Die Hubhöhen
ergeben sich aus den Stufenhöhen und sind proportional den
Zehnerstellen aus
6x9=54
5x9=45
4x9=36.
Das entstandene erste Teilprodukt 5 4 3 wird per Zahnstangen (11) in das hintere
Rechenwerk (13) übertragen.
Seitenansicht, vereinfacht.
Bei erneuter Betätigung des
Handzughebels werden die drei
Hängeschiebe (14) von der Einerplatte 9 (2) angehoben. Die
Hubhöhen aus den Stufenhöhen
sind jetzt proportional den
Einerstellen aus
6x9=54
5x9=45
4x9=36.
Auch das zweite Teilprodukt
4 5 6 wird – stellenrichtig
versetzt - in das hintere
Rechenwerk (13) übertragen.
3 Die getrennt entstandenen
und gespeicherten Teilprodukte
ergeben im Rechenwerk (13):
- Zehner 5 4 3
Multiplikationsbeispiel 6 x 9:
Die Zehnerplatte (1) und Einerplatte
(2) für den Multiplikator 9 heben
nacheinander einen auf den Multiplikanden 6 eingestellten Hängeschieber
(14) per Querarm (15) an. Die damit
hochlaufenden Stufenplatten (16) begrenzen den Vorlauf der Zahnstangen
(11) der ersten zwei Dekaden mit
ihren Anschlägen (17); die Teilprodukte 5 und 4 werden nacheinander in
das hintere Rechenwerk (13) übertragen.
- Einer
4 5 6
=
5 8 8 6
Anmerkungen:
1.Kaiserliches Patentamt Berlin,
Patentschrift Nr. 222166, patentiert
im Deutschen Reiche ab 18. August
1907; Patentinhaber ist die MoonHopkins Billing Machine Company in
St. Louis, V.ST.A.; Erfindernamen
werden nicht genannt.
2. Einzelheiten zur Entwicklung und
Funktion der Maschine siehe
Rechnerlexikon: „Die Moon-Hopkins
Fakturiermaschine“ (Haertel 2019/1)
18
Beim Niederdrücken einer der
Tasten 1 bis 9, die gleichen
Hub besitzen, wird die Schwinge
S um verschieden großen Winkel
gegen die Kraft einer Rückholfeder ausgelenkt. Der Betrag
der Auslenkung wird beim
Rückhub als proportionaler
Zahlenwert in das Resultatwerk
übertragen.
7. Schaltschwinge / rocker arm:
Beispiel 1:
Volltasten-Addiermaschine mit
Schaltschwinge (Schema)
Eine Variante arbeitet in der
Form, dass die Übertragung
unmittelbar beim Niederdrücken
der Tasten erfolgt. Das
Resultatwerk ist dann beim
Rückgang abgekoppelt10.
Anmerkungen:
1. Werden Zahlenwerte durch Tasten,
Hebel, Stifte oder Räder direkt und
in einem Arbeitsgang in das Zählwerk
eingegeben, so sprechen wir von
Beispiel 2:
Contex A, S/N 71264 mit Zifferntasten „einstufiger Werteverarbeitung“.
1 bis 5 pro Dekade; bei Eingabewerten
2. In der Regel nur bei Maschinen mit
> 5 müssen nacheinander zwei Tasten
Volltastatur u. reduzierter Vollgedrückt werden.
tastatur;
Ausnahme: Zehntasten-Addiermaschine
von Otto Berndt von 1877.
Zuordnung einer dem Eingabewert
proportionalen Zähnezahl auf
- Zahnstangen,
- Zahnsegmenten,
- Zahnscheiben,
- Zahnketten
8. Zahnantriebe /
toothed drives:
Anmerkungen:
1. Diese Bauelemente werden direkt
oder über Zwischenräder mit
- dem Rechenwerk (RW),
- einer RW-Inhaltsanzeige
oft nur
- einer Eingabeanzeige
optional
verbunden.
Beispiel:
Dreispezies-Maschine Modell XX11C9
des schwedischen Herstellers Odhner
mit dem Schaltwerksprinzip Zahnstange
2. Ein Großteil der Addier- und
Saldiermaschinen arbeitet mit Zahnstangen oder -segmenten. Aus diesen
Maschinen sind die Drei- oder VierSpezies-„printing calculators“
hervorgegangen.
3. Kleinrechenmaschinen mit Stiftoder Fingereingabe werden getriebetechnisch als Spannwerke bezeichnet,
Lenz K.: Die Rechenmaschinen und das Maschinenrechnen, Leipzig und Berlin
1915, S. 41f
10
19
wenn durch Federkraft gespannte
Zahnsegmente oder –ketten nach einer
Eingabe auf 0 zurückspringen.
arbeitet nach dem Prinzip der
Längenumwandlung, d. h. der
proportionalen Zuordnung einer
Stablänge bzw. eines Zahnstangenabschnittes zu dem
Eingabewert einer zugeordneten
Dekade der Rechenmechanik11.
8.1 Zahnstange /
toothed-bar:
Anmerkungen:
Der Vorlauf der Zahnstangen wird
begrenzt durch:
a) Stellstifte eines Stiftschlittens
bei Maschinen mit Zehnertastatur
b) Tastenschäfte bei Maschinen mit
Volltastatur.
c) Stellstifte eines feststehenden
Stiftblockes bei Maschinen mit
Zehnertastatur.
(Beispiel Sundstrand)
Beispiel: Astra Klasse 0-Serie 02
S/N 2258
hat statt der geraden Zahnstangen mit linearer Bewegung
Zahnsegmente, die eine begrenzte Drehbewegung ausführen. Der
Winkelwert ist proportional
einem Rechenwert.
8.2 Zahnsegment /
toothed-segment:
Anmerkungen:
1. In der Regel bei Maschinen mit
Zehnertastatur
2. Der Vorlauf der Zahnsegmente wird
begrenzt durch:
Beispiel: Mercedes Modell A 51
a) Stifte eines Stiftschlittens
bei Maschinen mit
Zehnertastatur
11
vgl. Lind, Wilhelm: a. a. O., S. 93f
20
b) die Stellräder eines Stellradschlittens; Einzelheiten siehe
Rechnerlexikon:
Die Klassifizierung
mechanischer Rechenmaschinen,
Teil 6, Abs. 6
3. Bei einfachen Kleinrechenmaschinen kann die Werteeingabe
direkt über die Zahnsegmente
erfolgen.
Hierfür sind die Zahnsegmente
mit Einstellhilfen (Hebeln)
versehen, die nach de
Werteeinstellung auch der
Einstellkontrolle dienen.
Beispiele: - Lipsia Addi,
- Argenta,
- Triumphator KA.
Beispiel: Mauser HS
S/N 4044
8.3 Zahnscheibe /
toothed-wheel:
Die horizontal gelagerten
Zahnscheiben sind mit dem
Resultatwerk direkt verbunden
und
- als Einstellräder für Finger
oder Griffel ausgebildet
(s. Teil 2 / 2.5 u. 2.6)
- bei der Werteeingabe mit Eingabesegmenten gekoppelt, die
mit Finger oder Griffel
eingestellt werden.
Beispiel: Summira Chieftain, Zahnscheibe als Einstellrad ausgebildet.
Anmerkungen:
1. Die Dateneingabe mit Stift /Finger
entspricht einer Direkteinstellung
des Zählwerkes (s. Teil 2 / 6.1)
2. Mit Eingabesegmenten arbeiten
u. a.:
- Summira 7, 9, S
- Resulta 7, 9, A7, AS7, B7
Beispiel: Resulta 9,
Zahnscheiben mit Eingabesegmenten
gekoppelt12.
3. Eingabe-Beispiele:
- Summira „Chieftain“
- Regina
- Resulta, Komet SK
12
Finger
Finger
Griffel
vgl.: Haertel, Peter: „Von Fossa-Mancini bis Triumphator KA - Die Technik
mechanischer Kleinrechenmaschinen mit Ziffernrollen-Rechenwerken und
Mehrfach-Zählrollen“ in: Rechnerlexikon, November 2014
21
8.4 Zahnkette / chain:
Maschine hat statt gerader
Zahnstangen mit linearer
Bewegung Zahnketten, die direkt
oder indirekt in das Resultatwerk eingreifen.
Vorrangig verwendet bei den
Kleinrechnern; besonders
geeignet für kompakte Bauformen
und niedrige Herstellkosten.
Addiermaschine mit Kettenantrieb,
Seidel & Naumann, Dresden,
DRP 249606 von 1910,
gehört getriebetechnisch zur Gruppe
der Spannwerke (s. Abs. 8, Anm. 2)
Anmerkungen:
1. Zahnketten arbeiten als Spannwerke, wenn diese nach einer Eingabe
in die Nullstellung zurückspringen.
Arbeitsbereich dieser Ketten in der
Regel nur am Resultatwerk.
2. Maschinen mit Endlos-Ketten bilden
formschlüssige Kettenräder-Getriebe,
die zur Gruppe der Zugmittelgetriebe
gehören.
(s. Teil 5, Abs. 8.2.3)
Diese umlaufenden Endlos-Ketten
arbeiten im Arbeitsbereich des
Resultatwerkes und im Eingabebereich.
3. Eingesetzt werden
- Sonderketten (Beispiel S & N)
- handelsübliche Ketten wie z. B.
Hakenketten (Beispiel Golden Gem
nach US-Patent 847759 von 1907)
4. Ausführungsbeispiele sogenannter
„Kettenaddierer“:
- Argos
- Dux
- Golden Gem
- Pico Adding Machine
- Scribola
- Seidel und Naumann
Werbung von 1925
Beispiel:
EndlosHakenkette
bei dem
EinspeziesRechner
Golden Gem,
mit
Griffeleingabe.
22
9. Stellsegment /
adapting segment:
Abb. 1: Funktionsschema DEMOS
Bei jeder vollen Rechtsdrehung
der Handkurbel macht das Einstellwerk - es besteht aus
zentrisch gelagerten Einstellscheiben mit Zahnsegmenten (1)
und Einstellgriffen (2) - eine
gegenläufige Teildrehung und
wieder zurück.
Synchron zum Vor- und Rücklauf
des Einstellwerkes wird das
Resultatwerk (3) vorgeschwenkt,
übernimmt den eingestellten
Rechenwert und schwenkt danach
wieder zurück14.
Funktionsablauf DEMOS (Abb. 2):
Fig. 1: Grundstellung
Fig. 2: Einstellung Rechenwert
Fig. 3: Übertragungsphase
Fig. 4: Rückstellung
Je nach Fabrikat erfolgt die
Werteeingabe über Tasten oder
nicht umlaufende Hebel:
Abb. 2: Funktionsablauf DEMOS
Abb. 3:
Demos II Vierspezies-Rechner,
Carl Moesch, Aargau / Schweiz
a) Marchant (Modell-Auswahl):
XL, XLB / Hebeleinstellung
KA, KB, KC, KE, KEA / Volltastatur
b) Demos-Modelle ab 1923:
Hebeleinstellung,
Schweiz-Patent Nr. 101848 von 1923
DRP Nr. 405510 ab 1920.
c) PRODUX-Kleinrechner:
Hebeleinstellung,
Lieferung unter den Markennamen
- axbxc-Calculator,
- Multator
- Multical
- Summira X
d) Hannovera
C, CK (EOS) / Hebeleinstellung
Anmerkungen:
1. Wegen ihrer großen Ähnlichkeit zur
Sprossenradmaschine werden
Stellsegment-Maschinen auch häufig
mit diesen verwechselt.
Abb. 4:
Produx Multator I, S/N 7314,
Otto Meuter, Hamburg13
2. Das als Stanzteil gefertigte
Stellsegment ließ sich wesentlich
kostengünstiger herstellen als z. B.
ein gefräster Sprossenradkörper.
Büromaschinen-Lexikon / NZB- Neuzeitliche Bürotechnik 7. Auflage, BadenBaden 1963/64, S. 294
13
14
vgl.: Martin, Ernst: a. a. O., S. 365ff
23
Das Schaltwerk besteht aus den
pendelnden Radsätzen 1 und 2
mit jeweils gleicher
Zahnräderzahl. Beide Radsätze
sind in einem Radsatzrahmen 3
(oben) und 4 (unten) gelagert,
die unabhängig voneinander
schwenkbar sind.
10. Pendelrad /
pendulum wheel /
shuttle wheel
Der untere Radsatz 1 wird in
Zahnstangen 5 eingeschwenkt,
die den Stiftschlitten des
Einstellwerkes abfühlen.
Der obere Radsatz 2 stellt die
Verbindung her zwischen
Radsatz 1 und dem Hauptzählwerk 6 bzw. dem Umdrehungszählwerk. Beide Zählwerke sind
in einem Zählwerksschlitten
gelagert15.
Schnittzeichnung für
Olympia RA 16 u. RA 20
Anmerkungen:
1. Das Schaltwerksprinzip dieser
Vierspezies-Maschinen ist besonders
geeignet für Rückübertragungen aus
dem Resultatwerk und aus dem
Umdrehungszählwerk.
2. Saldierend, Konstantenspeicher
3. Patentierte Divisionseinrichtung
nach DE1147060 von 1963;
Erfinder:
- Ernst Altenburger,
- Ernst Trümpelmann und
- Karl Westinger.
Olympia RA 16,
Rechenkapazität 8 x 8 x 16,
SN 14-13653 von 1964
4. Einsatz nur bei Olympia. Es ist
denkbar, dass andere Hersteller
dieses Schaltwerksprinzip wegen des
bestehenden Patentschutzes nicht
übernommen haben.
5. Produktionszeit der Modelle
- RA 16: ab 1961
- RA 20: ab 1964 bis 1966
Olympia RA 20,
Rechenkapazität 10 x 11 x 20
vgl.: Anthes, Erhard: „Pendelradmaschine Olympia RA 16“ in:
Internationales Forum Historische Bürowelt (Hg.): Historische Bürowelt, Nr.
10 (1985), S. 14f
15
24
11. Mehrfach-Zählrolle mit
Zehner-Übertragskurven/
multiple counting role with
ten transfer curves
Beispiel:
„Indispensable“ um 1900,
Erfinder: Carlo Fossa-Mancini und
Ernesto Faller 16
Die Zählrollen sind horizontal
gelagert und als Einstellrad
für Stift- oder Fingereingabe
ausgebildet (s. Teil 2, Abs.
2.5 u. 2.6).
Für die Eingabewerte 1 bis 9
sind am Gehäuse entsprechende
Eingabemarken vorhanden, ihr
Abstand entspricht dem
Teilungsabstand der Eingaberasten.
Typisch ist das Fehlen eines
Resultatwerks, da das Resultat
direkt am Umfang der Zählrollen
abgelesen wird. Hierzu sind die
Zifferngruppen 0, 1 bis 9
mehrfach vorhanden. Jeder
dieser Zifferngruppen ist eine
Kurve für den Zehnerübertrag
zugeordnet.
Anmerkungen:
1. Die Einspezies-Kleinrechner wurden
u. a. unter den Markennamen
Addimat
Addipresto
Handy Calculator
Schnellrechner
Simex Caroline
Beispiel:
Simex Caroline mit vier Zehner- verkauft. Sie arbeitet ohne
Übertragskurven.
Zahnräder; einige Modelle mit
(Zeichnung: A. Witzemann)
Ergänzungszahlen für Subtraktion.
2. Die Dateneingabe mit Stift /Finger
entspricht einer Direkteinstellung
des Zählwerkes nach Teil 2 / 6.1
3. Die Reihe der Zählrollen eines
Gerätes ähnelt einem sogenannten
Rollenzählwerk.
4. Patenthinweise:
- Fossa-Mancini: IT42837 von 1896,
FR272735 von 1897, IT49628 von
1898 und GB189904487 von 1899.
- Addimat, Addipresto: Erfinder ist
Sergio Lanza, Patent IT554094 von
1956
Beispiel:
Swift „Handy Calculator“
mit Stiftbedienung
16
vgl.: Martin, Ernst: a. a. O., S. 136
25
12. Zählscheibe /
counting disk
FIGURAYTOR mit Stifteingabe,
Ray Adding Machine Co., New York
PEBALIA mit Fingereingabe,
DRP 216318,
Trio-Gesellschaft, München
Horizontale Anordnung der
Zählscheiben auf parallelen,
senkrechten Einzelachsen.
Anwendung bei einstufig
arbeitenden Ein- und Zweispezies-Kleinrechnern.
Werteeingabe:
mittels Stift oder Finger. Für
die Stifteingabe sind Bohrungen, Mulden, Sprossen oder
Schlitze vorhanden.
Bei der Handeingabe werden
kleine Stifte auf der Zählscheibe (Beispiel: Pebalia),
Drehknöpfe in Verlängerung der
Lagerachse (Beispiel: Inaudy)
oder Zeiger im Zifferkreis
(Beispiel: Conto) betätigt. Die
Beschriftung der einzelnen
Eingabestellen einer Scheibe
ist meist ring- oder segmentförmig auf dem Gehäuse angebracht. Eine zusätzliche
Eingabeanzeige (Beispiel: Conto)
ist selten.
Anzeige:
erfolgt in der Regel durch die
Zählscheiben selbst (Beispiel:
The Calcumeter), durch zusätzliche Ziffernscheiben (Beispiel
Ken + Add), seltener durch
Ziffernrollen (Beispiel:
Pascaline).
„Pascaline“ des Blaise Pascal
Subtraktion:
durch Umschaltung der Mechanik
(Beispiel: alte ScheibenaddiererVersion von Pebalia) oder Änderung
der Drehrichtung der Zählscheibe (Beispiele: neue Scheibenaddierer-Version NO 704 von
Pebalia).
Zählwerks-Löschung:
Gesamtlöschung mittels Laschen
oder Hebel.
1. Zählscheibe für Stifteingabe,
2. Stiftanschlag
3. Ziffernrollen, mit zwei
reziproken Ziffernreihen
beschriftet.
4. Zehner-Übertragsmechanismus
Anmerkungen:
1. Zusatzinformationen: s. Teil 2 /
- Stifteingabe
Abs. 2.6
- Anzeigeeinrichtunge Abs. 3
- Löscheinrichtungen
Abs. 10.1
26
2. Typische Zählscheiben-Rechner wie
„Figuraytor“, „Pebalia“ oder
„Pascaline“ arbeiten mit in Reihen
angeordneten Zählscheiben, die über
den Zehnerübertrags- Mechanismus
gekoppelt sind. Die Anzahl der
Zählscheiben entspricht hierbei der
Rechenkapazität der Maschine.
Rechenmaschine UNION,
Vertrieb: A. Hauff, Berlin
Daneben gibt es andere ZählscheibenRechner, die wegen ihrer Bauform oft
als „Scheibenrechner“ bezeichnet
werden.
Auch hier sind die Einrichtungen für
den Zehnerübertrag vorhanden und die
Eingabe erfolgt über Griffel oder
Finger. Es sind:
a) Rechner mit konzentrisch angeordneten Zählscheiben:
Beispiel:
- UNION-Rechenmaschine
Eine Variante hierzu ist die 8 x 9stellige
ATLAS-Addiermaschine
Herring Computing Machine,
US-Patent 1263244 von 1918,
Vertrieb: Keuffel & Esser Co.,N.Y.
von Julius Mauch in Zürich. Die
Ziffern 0, 1 bis 9 für die Werteeingabe sind auf den speziellen
konzentrischen Zählscheiben dreimal
vorhanden, jedoch nur einmal
sichtbar. Eingabe mittels Stift, der
radial verschiebbar auf einem
zentrisch gelagerten Drehhebel
angeordnet ist. Geliefert wurden
Maschinen mit und ohne Einrichtung
zur Nullstellung.
b) Rechner mit zwei nebeneinander
liegenden Zählscheiben unterschiedlicher Größe:
Beispiele:
- Herring Computing Machine
- Nestler & Roesler-Addierer
- Webb`s Adder
Trotz ihres geringen Preises haben
Rechenmaschinen dieser Bauformen nur
eine geringe Verbreitung erreicht.
Webb`s Adding Machine,
US-Patent 75322 von 1868;
Durchmesser 1 = 11 cm
Durchmesser 2 = 6 cm
3. Scheiben- oder walzenförmige
Rechner ohne Zehnerübertrag sind als
Rechenhilfe einzustufen und nicht
Gegenstand dieser Klassifizierung.
Beispiele:
- Tröger-Rechenscheiben
- Loga-Rechenwalzen
27
13. Gewindespindel /
threaded spindle
Die Linearbewegung eines handgeführten Schubstiftes wird in
Drehbewegungen einer Gewindespindel umgesetzt und damit
als Rechenwert in das oben
liegende Resultatwerk übertragen.
Die Anzahl erzeugter Spindelumdrehungen ist proportional
dem Eingabewert / der Anzahl
durchlaufener Spindelsteigungen.
Abbildung 1:
Zweispezies-Rechner Spira,
Schweizer Patent Nr. 51475 von 1910,
Erfinder: Dr. Victor Vogel, Riga,
Hersteller: Franz Morat, Eisenbach.
Lieferbare Rechenkapazität:
- 3 x 4
- 5 x 6,
- 8 x 9.
Addition, Frontblende auf der
rechten Seite, der Schriftzug
„Addition“ ist sichtbar.
Für die Eingabe der Werte 1
bis 9 sind am Gehäuse entsprechende Eingabemarken
vorhanden, der Ziffernabstand
entspricht der Steigung der
Gewindespindel.
Bei einer Addition (Abb. 1)
liegt die verschiebbare
Frontblende auf der rechten
Rechnerseite, der Schubstift
wird in Führungsschlitzen auf
der rechten Spindelseite von
oben nach unten geführt.
Bei der Subtraktion wird die
Frontblende (in Abb. 2 rot
umrandet) zur linken Seite
geschoben und der Schubstift
auf der linken Spindelseite
von unten nach oben geführt.
Diese Umkehr der Schubrichtung
des Stiftes bewirkt eine
Umkehr der Drehrichtung der
Gewindespindel.
Anmerkungen:
1. Ähnliche Patente für Kleinrechner
mit Gewindespindel:
- CH309957 von 1950,
Anmelder: Arva S. A.
Abbildung 2:
Subtraktion, Frontblende (rot
umrandet) auf der linken Seite, der
Schriftzug „Subtraktion ist
sichtbar.
(Darstellungen vereinfacht)
- CH494428 von 1970,
Anmelder: Andre Kolly
28
2. Getriebetechnisch gesehen ist die
Gewindespindel Teil eines
Schraubgetriebes.
Beispiel einer Gewindespindel mit
Kegelrad zur Übertragung der
Umdrehungen zum Resultatwerk.
14. Oszillierende
Betätigungswalze 17 /
oscillating actuator
Facit Vierspezies-Rechner 10-51,
Patent von 1966 des Schweden
Erik Konrad Grip
(Schema)
Die Betätigungswalze (1) wird
aus gleichen, verzahnten
Einstellscheiben (2) gebildet,
die auf einer gemeinsamen
Achse (3) gelagert sind und
beim Rechnen gleiche axiale
und oszillierende Bewegungen
ausführen.
Die Einstellscheiben (2)
- ihre Anzahl entspricht der
Rechenkapazität der Maschine sind in zwei Segmente unterteilt, die zueinander axial
versetzt sind, sodass immer
nur ein Bereich mit dem
Resultatwerk in Verbindung
stehen kann. Der Versatz (4)
entspricht einer halben
Teilung des Resultatwerkes.
Das kleinere Segment mit neun
Zähnen (5 / gelb markiert) arbeitet als Plus-Sektor.
Das größere Segment enthält
zusätzlich zum Minus-Sektor
mit neun Zähnen (6 / rot markiert) den Eingabesektor (7)
für die Übernahme von R