DE Patent 88,223: Führung der Mess- oder Zählrolle an Instrumenten (C. Hamann, planimeter)
KLASSE 42:
PATENTSCHRIFT
— M 88223 —
INSTRUMENTE.
CH. HAMANN ım FRIEDENAU ». BERLIN.
Führung der Mefs- oder Zählrolle an Instrumenten.
Patentirt im Deutschen Reiche vom 11. Juni 1895 ab.
Die am meisten bekannten Planimeter und
die davon abgeleiteten Integratoren, Totalisa-
toren u.s.w., welche verschiedentlich an Dynamo-
metern, Indicatoren und verwandten Mefs-
instrumenten angewendet wurden, haben ent-
weder das Princip des Amsler’schen Polar-
planimeters oder das des Hermann Wetli-
schen Linearplanimeters zur Grundlage. Beide
Systeme erweisen sich jedoch in ihrer An-
wendung bei den oben erwähnten Instrumenten
nur wenig brauchbar, da sie zu ungenau
arbeiten, zu verwickelt und theuer sind. Diese
Uebelstände rühren her von der Anwendung
unzweckmäfsiger Mechanismen für die erforder-
. liche Bewegung der Mefsrolle.
Den Gegenstand vorliegender Erfindung
bildet ein Mechanismus, welcher die ge-
nannten Uebelstände vollkommen zu beseitigen
ermöglicht.
Dieser neue Mechanismus besteht aus einem
gleichschenkligen Schubkurbelgetriebe (s. Bur-
mester’s Kinematik, Bd. ı, S. 327, 339 und 828),
‘bei welchem die Mefsrolle entweder auf der
Kurbel oder auf der Schubstange oder zu
diesen parallel leicht .drehbar angeordnet wird.
‘Zur erforderlichen Drehung der Mefsrolle um
ihre Achse dient eine ebene oder cylindrische
Fläche, gegen welche sie so stark angedrückt
wird, dafs bei einer Relativbewegung von
Rolle und Fläche gegen einander die zwischen
beiden auftretende Reibung die gewünschte
Drehung der Rolle sicher veranlafst.
Diese Mefsrolle stimmt also ihrer Arbeits-
weise nach überein mit der Mefsrolle des
allgemein bekannten ~Polarplanimeters nach
Amsler bezw. mit allen gleichwerthigen Rollen
bei den von Abdank-Abakanowicz be-
schriebenen Instrumenten. Aus diesem Grunde
sind auch die Mittel zur Erzielung der er-
wähnten Relativbewegungen zwischen der Mefs-
rolle und der ebenen oder cylindrischen Fläche
die schon bekannten vielfältigen.
Das Wesentliche und Neue des vor-
liegenden Gegenstandes liegt in der Anwendung
des gleichschenkligen Schubkurbelgetriebes zur
Aenderung der Achsenlage, d. h. zur Führung
der Mefsrolle, damit sie die gewünschten
Drehungen sicher ausführen mufs.
Dieser neue Mechanismus gestattet gegen-
über anderen ähnlicher Art eine bessere und
zweckmafsigere Anbringung an Indicatoren,
Totalisatoren, Dynamometern, Rechen- und
allen Registrirapparaten, bei denen zwei recht-
winklig oder parallel zu einander erfolgende
Bewegungen oder Kreisbewegungen auftreten.
Eine dieser Bewegungsrichtungen liegt. jeden-
falls einem der erwähnten Instrumente zu
Grunde. Ein weiterer Vortheil liegt in der
Möglichkeit, sehr geringe Massen verwenden
zu können, so dafs ein rasches Schwingen
derselben, wie z. B. bei einem Indicator, keinen
Einflufs auf die Beschaffenheit des Diagrammes
und mithin auf das Resultat der Mefsrolle
ausübt. Besonders zweckmäfsig ist auch die
Lagerung der Mefsrolle nach Fig. 2.. In vielen
Fällen, namentlich bei Registrirapparaten, ist
die den Schreibstift bewegende Kraft sehr
klein, soll aber doch ähnlich wie in Fig. 2
f
die Achsenlage der Mefsrolle verändern. Letztere
ist hier so angeordnet, dafs zu dieser Lagen-
änderung eine sehr geringe Kraft völlig genügt,
da die Rolle blos um einen Punkt, ihren
Berührungspunkt, gedreht wird. Durch ent-
sprechendes Ausbalanciren kann die Kraft noch
empfindlicher zur Wirkung gebracht werden.
Die Fig. 5 und 6 eignen sich vorzüglich als
Planimeter, weil gröfsere Flächen -im Ver-
hältnifs der Dimensionen des Instrumentes ge-
messen werden können als mit. bestehenden
Instrumenten, und weil bei »Pol innerhalb«
wie bei »Pol aufserhalb« der Figur ein stets
gleichgerichtetes Umfahren und eine directe
Ablesung ohne Operiren mit einer Constanten
ermöglicht ist, da bei Anwendung des gleich-
schenkligen Schubkurbelgetriebes der den
Amsler’schen Polarplanimetern zu Grunde
liegende Grundkreis auf einen Punkt, den »Pol«
selbst zusammenschrumpft.
Von den vielerlei Mitteln zur Erreichung
der Relativbewegung zwischen Rolle und Fläche
sind bei den auf beiliegender Zeichnung
schematisch dargestellten Instrumenten nur die-
jenigen in Anwendung gebracht worden, welche
für die Praxis am werthvollsten zu sein ver-
sprechen.
In Fig. ı ist ein Rechenschieber dargestellt.
Auf den beiden gegen einander verschiebbaren
und mit entsprechenden Theilungen versehenen
Linealen A und B sind zwei Schieber S,
und S, angeordnet. Letztere sind durch ein
aus der Kurbel K und der Schubstange S be-
stehendes gleichschenkliges Schubkurbelgetriebe
mit einander verbunden. Die hohle Nabe N
der Kurbel ist in dem Schieber S$, drehbar
und trägt die Mefsrolle R derartig, dafs die
Ebene von R parallel zur Mittellinie der
Kurbel steht und dafs R bei einer Ver-
schiebung des Lineals B gegen S, durch die
zwischen B und R auftretende Reibung sicher
um die Achse gedreht wird. Stehen die Lineale
stil und wird der Schieber S, verschoben,
dann dreht sich die Rolle R nur um ihren
Berührungspunkt auf dem Lineale B und führt
keine Bewegungen um die eigene Drehachse
aus. Durch geeignete’ Einstellungen des Kurbel-
mechanismus XS auf A und durch ent-
sprechende Verschiebungen des Lineales B
werden die gewünschten Rechenoperationen aus-
geführt. Sowohl die Lange der Kurbel K und
der Schubstange $ ist nach Belieben zu ver-
ändern.
Dieser Rechenschieber bildet gleichzeitig einen
Mafsstab mit veränderlicher Theilung, welche
durch die Stellung des Schiebers S, auf dem
Lineal A bestimmt wird.
In allen Figuren der beiliegenden Zeichnung
bezeichnen dieselben Buchstaben gleiche Theile.
Die Fig. 2 bis 6 stellen neue Integratoren
dar. Da bei denselben zwei rechtwinklig zu
Fig.
einander gerichtete Bewegungen stattfinden,
von denen die eine die Achsenlage der Mefs-
rolle R bestimmt, während die andere nur die
Drehung dieser Rolle verursacht, so mufs bei
allen diesen Instrumenten die Mittelebene der
Mefsrolle um 90° gedreht, also senkrecht zur
Mittellinie der Kurbel K bezw. Schubstange S
angeordnet werden, je nachdem R auf K oder
auf S angebracht wird. Erfolgen die die
Achsenlager der Rolle sowie die Rotation der-
selben veranlassenden Bewegungen unter einem
anderen Winkel als 90° gegen einander, so
mufs auch die Rollenachse zur Mittellinie der
Kurbel bezw. Schubstange um so viel gedreht
werden, wie die Abweichung von der senk-
rechten "Richtung beträgt.
Fig. 2 zeigt einen neuen Integrator nach
- dem “erwähnten Princip in seiner. Anwendung
In der hohlen Nabe N
der Kurbel K ist die Mefsrolle R wie in
ı eingebaut; dabei ist die Nabe in einem
unbeweglichen Theile A des Indicators derartig
drehbar angeordnet, dafs die Rolle R an dem
Diagrammcyl inder C des Indicators anliegt und
der Berührungspunkt b ‘von R während der
Drehung von C einen Kreis durchläuft, dessen
Projection in Fig. 2 die Linie k-k ist. Nur bei
einer Drehung von C wird die Mefsrolle ge-
dreht. Der Berührungspunkt b und der End-
punkt B der Schubstange S liegen immer auf
einer und derselben Seite des Cylinders C.
In B ist auch der Stift angebracht, welcher
auf C das schraffirte Indicatordiagramm F be-
schreibt.
Bei der Erzeugung dieses Diagrammes von
dem Stifte in B mifst gleichzeitig die Rolle R
den Inhalt desselben, wenn der Umfang der °
Rolle gleich der Summe der Längen” von
Kurbel K und Schubstange S$ ist.
Die auf dem Cylinder C aufgewickelte Länge
des Indicatordiagrammes mifst den Hub der
Dampfmaschine. Wird diese Länge gleich der
Länge der Kurbel und Schubstange gemacht,
dann kann an der Rolle R unmittelbar der
mittlere Druck im Cylinder einer Dampf- oder
dergl. Maschine abgelesen werden.
Bei dem in Fig. 3 skizzirten Integrator liegt
das Prisma E E auf der Ebene fest, auf wel-
cher sich die zu integrirende Fläche F' be-
findet. Auf dem Prisma EE ist ein Gleit-
stück G verschiebbar, welches ein zweites, zu
EE senkrecht stehendes Hohlprisma besitzt.
In letzterem ist das Lineal D nach Belieben
verschiebbar. Auf diesem liegt die Mefs-
rolle R derartig auf, dafs ihr Berührungs-
punkt 5 das Lineal berührt. Dasselbe trägt
den Stift B, mit welchem die zu integrirende
Fläche F umfahren wird. Nur bei einer Ver-
schiebung des Lines D in G wird die
Rolle R gedreht, dagegen wird bei einer Ver-
schiebung von G auf E die Winkelstellung
bei einem Indicator.
der Rolle R zu D durch den gleichschenkligen
Kurbelmechanismus XS verändert. Die Rolle R
ist nämlich in den hohlen Pleuelkopf am Ende
der Schubstange eingebaut, welcher in G
derartig drehbar "angeordnet ist, dafs das
Lineal D unter R hinweggeschoben werden
kann. .
Bei diesem und den in Fig. 4 bis 6
zeichneten Integratoren ist die Mefsrolle R an
der Schubstange angebracht, während sie sich
bei den in Fig. 1 und 2 gezeichneten Instrumenten
an.der Kurbel befindet.
Der Integrator nach Fig. 4 besitzt einen
Rahmen QQ mit einer in ihm drehbar ange-
ordneten Walze W. Letztere rollt auf einer
unter ihr liegenden zweiten, ebenfalls im Rahmen
QQ drehbaren Walze, indem sie durch
Reibung mitgenommen wird. Mittelst dieser
zweiten Walze, die auch durch zwei Rollen
ersetzt werden kann, rollt das ganze Instrument
auf der Ebene der zu integrirenden Fläche F.
Auf dem Rahmen Q Q ist ein Schlitten HW
verschiebbar, welcher die Mefsrolle R in folgen-
der Weise zu führen im Stande ist. Der Be-
rührungspunkt b von R mit der Walze W
mufs stets auf einer Seite des Walzencylinders
liegen, welche sich in derjenigen Mittelebene
des Walzencylinders befindet, die senkrecht zu
der Ebene der Fläche F steht. In dieser
Ebene liegt auch der Drehpunkt T der Kurbel K
des Kurbelmechanismus. An dem Schlitten
FI H befindet sich der Fahrstift B zum Um-
fahren der zu integrirenden Fläche, so dafs
seine Spitze und der Berührungspunkt 5b in
einer. zur Achse der Walze W senkrechten
Ebene liegen.
Das Instrument nach Fig. 4 kann auch leicht
derartig umgewandelt werden, dafs der Be-
rührungspunkt von R auf der Walze W eine
Integralcurve durchlaufen wird, sobald. der
Fahrstift B die dazu gehörige Differentialcurve
beschreibt.
Alle Instrumente nach Fig. ı bis 4 besitzen
gerade Linien zu Grundlinien für die Mefs-
rolle R. Bei den in Fig. 5 und 6 skizzirten
Instrumenten sind dagegen Kreise als Grund-
linien festgelegt worden.
In Fig. 5 steht der Drehpunkt U der Kurbel X
fest, während der Berührungspunkt 5 der an
der Schubstange S ‘angebrachten Mefsrolle R
um die zu integrirende Fläche herumgeführt wird.
ge-
Die Führung des Berührungspunktes 5 ‘ent-
lang der Begrenzungslinie von F giebt zu
groben Mefsfehlern Veranlassung, deswegen” ist
bei dem Integrator nach Fig. 6 jener Be-
rührungspunkt 6 durch einen Fahrstift B er-
setzt worden. Dieser Fahrstift wird an einem
liede L derartig angebracht, dafs er und der
Berührungspunkt 5 auf der Ebene der zu
integrirenden Fläche F einen und denselben
Kreis einer Schar concentrischer Kreise mit
dem feststehenden Drehpunkt (Pol) U der
Kurbel K als Mittelpunkt durchlaufen. Die
Mittellinie der durch den Pol bei U verschieb-
baren Führungsstange des Gliedes L ist nämlich
stets die Halbirungslinie des Winkels an der
Spitze des gleichschenkligen Dreiecks UBb mit
der Basis Bb.
Wie schon bei den in Fig. 2 skizzirten
Instrumenten erwähnt worden ist, mufs der
Umfang der Mefsrolle R auch bei den In-
strumenten nach Fig. 3 bis 6 gleich der
Summe der Längen von Kurbel X und Schub-
stange S sein, um den natürlichen Inhalt der
Fläche F auf der Mefsrolle direct ablesen zu
können.
Durch Verkürzung oder Verlängerung der
Längen von K und S in einem bestimmten
‚Verhältnifs zum Umfang der Rolle kann man
den zu bestimmenden Flächeninhalt in jedem
beliebigen Verhältnifs zum richtigen Inhalte
auf der Mefsrolle direct ablesen. Dabei ist
noch zu beachten, dafs eine Verkürzung von
K und S eine Vergröfserung des abzulesenden
Resultates auf der Rolle zur Folge hat, während
dieses durch Vergröfserung der Längen von K
und S verkleinert wird.
In allen Fig. ı bis 6 ist der gleichschenklige
Kurbelmechanismus verstellbar gezeichnet, um
möglichst vielseitig verwendbare Instrumente zu
erhalten.
PaTENT-ANSPRUCH:
Ein Mechanismus zur Führung der Mefs-
bezw. Zählrolle an Rechenapparaten, Integra-
toren und Totalisatoren von Dynamometern,
Indicatoren und dergl. Instrumenten, gekenn-
zeichnet durch einen gleichschenkligen Schub-
kurbelmechanismus.(K S), bei welchem die
Rolle (R) entweder durch die Kurbel (K) oder
durch die Schubstange (5) ihre erforderliche
Lage erhält.
Hierzu ı Blatt Zeichnungen.
BERLIN. GEDRUCKT IN DER REICHSDRUCKEREL.
CH. HAMANN w FRIEDENAU ». BERLIN.
Führung der Mefs- oder Zählrolle an Instrumenten.
4
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i>” Za der Patentschrift
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PHOTOGR. DRUCK DER REICHSDRUCKEREI.